Corona und die Bilderbuch artige Abzocke

Das Nummer 1 Thema aktuell weit und breit ist natürlich Corona und das auch nicht unbegründet. Da mich das Virus auch stark beeinträchtigt, werde ich mich jetzt auch mal dazu äußern - da sich logischerweise meine GESAMTEN Pläne in Staub aufgelöst haben... aber ich darf ja nicht meckern und vergessen, dass das nur "Luxus" Probleme sind, somit also nicht bedeutend für die Gesamtsituation. Zu den Auswirkungen und Konsequenzen aber später mehr, erstmal sollte ich mal das Farmarbeit Thema anschneiden, besonders weil eigentlich jeder denkt ich wäre immer noch dort!😅

Am 29.02. hatte ich meinen letzten Arbeitstag im Banjo's (Restaurant), da geplant war zwei Monate auf der Farm zu bleiben, dann einen Monat mit Mama in Brisbane zu verbringen und den dritten Monat im Juni auf die Farm zurückzugehen. TJA, wer hätte denn den tatsächlichen Ablauf erahnen können.

Am 01.03. sind Brad und ich nach Quirindi gefahren, um mich auf der Farm abzusetzen (die Farm liegt ca. 70km westlich von Quirindi). Wie zu erwarten fiel mir die ganze Situation und der "Abschied" auf Zeit unglaublich schwer! Schließlich haben wir uns seit Oktober jeden Tag gesehen und eigentlich jeden Tag miteinander verbracht. Auf einmal steht man dann wieder alleine da - fremder Arbeitskollege, der mit dir im Haus wohnt, neuer Boss, neue Umgebung, neue Aufgaben und besonders ein fremdes Bett. Um ehrlich zu sein fiel mir der "Umzug" auf die Farm deutlich schwerer als mein Flug alleine nach Australien - klingt eigentlich absurd, aber wenn man anfängt sich in einem neuen Zuhause und einer neuen Umgebung richtig wohl und geborgen zu fühlen, dann fühlt man sich plötzlich so einsam und verlassen! Zudem hatte das Haus auch keinen wirklichen Hygiene Standard. Mir war natürlich bewusst, dass das Haus ein altes Farmhaus ist und eben keine "Paula - Ordnung" haben wird, aber ich war dann doch etwas baff, da ich nicht erwartet hatte dass es so schäbig aussieht - sogar Brad war etwas erstaunt über den Zustand des Hauses. Nichts desto trotz war mein Mitbewohner und einziger Arbeitskollege Billy eine korrekte, entspannte Socke (liegt sicherlich auch an seinem Gras Konsum), der den ganzen Aufenthalt angenehmer und erträglicher gemacht hat.

https://youtu.be/dLdjXRPlZSg

Billy hat mir sonntagabends erstmal einige Geschichten erzählt wie seine letzten vier Arbeitsmonate hier so verliefen und mit was für Menschen er es zu tun hatte. Ich war die erste Backpackerin unter 20 und die Einzige, die sich keinen Joint gedreht hatte - seine Aussage hahah. Dass unser Boss elf Backpacker in den letzten vier Monaten "eingestellt" hatte, die meisten davon einfach um fünf Uhr morgens die Farm kommentarlos verlassen hatten und Jim (unser Boss) eine Schlägerei mit einem Backpacker hatte, aufgrund Differenzen in der Bezahlung, hätte mir eigentlich ziemlich schnell die Augen öffnen sollen! Eigentlich war ich auch schon gut vorbereitet mit Geschichten von anderen Backpackern, wie sie von sämtlichen Farmern im ganzen Land über den Tisch gezogen und nur ausgenutzt wurden. Einige Farmer sehen uns eben nur als einfache, "dumme" Backpacker, motivierte Arbeiter (manchmal, nicht immer), die leicht zu haben sind, der englischen Sprache nicht zu 100% mächtig sind und in den meisten Fällen ihre Arbeitsrechte nicht kennen bzw. einfach nicht davon Gebrauch machen. Dachte das würde mir dann nicht passieren, da ich ja "vorbereitet" bin. Trotzdem habe ich die erste Woche motiviert durchgezogen und einige Dinge getan, wozu man als Stadtkind normalerweise eben nicht die Chance hat und solche Möglichkeiten dann genießt.

Meinen ersten Arbeitstag habe ich montags (02.03.) nach elf Stunden mit einem Durchgang im Pool beendet, da es immer noch ziemlich heiß war. Ich muss auch dazu sagen, dass ich relativ erledigt war, aber auch nur weil ich in der ersten Nacht so unglaublich schlecht geschlafen habe... so schlecht habe ich in Australien noch nie geschlafen! In den ersten zwei Tagen durfte ich den Side-by-Side fahren (sieht ein bisschen aus wie ein Golf Cart), um die Tiere zu füttern, zuschauen wie Jim und Billy neue Tracks für die Rinder mit dem Bulldozer ziehen, den Springplatz mit dem Aufsitzmäher mähen und täglich die Pferde, Kälber, Schafe und Katze morgens füttern. Mittwochs kam Jims (Ex)frau Miriam und hat mir die Abläufe mit den Polo Ponys und den Springpferden erklärt, dass ich diese täglich individuell trainiere und separat füttere. Donnerstag hat es dauerhaft geregnet, also konnte ich die Pferde nur bedingt bewegen und habe anschließend Billy geholfen das Schafe Scheren für den darauffolgenden Montag (09.03.) vorzubereiten. In der Vorbereitung haben wir die ganze alte Wolle aus der Scheune in Ballen gepresst, nach diversen Klassifizierungen sortiert und mit dem Farmsiegel beschriftet, mit dem Traktor (Billy) verräumt und am Ende die Scheune sauber gemacht. Freitags war ein kurzer Tag, da Billy freitags immer nach der Lunch Pause nach Hause fährt und sonntags nachmittags wieder herkommt. Demnach habe ich nur die Tiere gefüttert, die Pferde und Ponys bewegt und den restlichen Tag geputzt. Das waren auch alles coole Aufgaben und hat auch wirklich Spaß gemacht, Problem war aber eher, dass ich die meiste Zeit meiner zehn Stunden Schichten mit Putzen verbracht habe.

https://youtu.be/rdLfPpvoE7U

Miriam, seine (Ex)frau, ist aus Dänemark und hat als Backpackerin vor ca. zwölf Jahren hier auf der Farm gearbeitet und ist dann ganz plötzlich schwanger geworden und auf der Farm geblieben. Sie erklärte mir, dass sie nur noch wegen der Pferde und ihrer Tochter Robin einmal die Woche auf die Farm komme, da sie Jim und seine Persönlichkeit nicht mehr ertragen könne. Zudem wäre er auch nie mit den Reitweisen sämtlicher Personen zufrieden geschweige denn akzeptiert sie und lässt jemanden reiten.

Das ganze führt uns nun zurück zu meinem ersten Kontakt mit Jim. Ich hatte mich über eine Stellenanzeige auf "Backpackerjobboard" beworben, da ich speziell nach einem Farmjob gesucht habe, um meine 88 Tage für mein Second Year Visa zu arbeiten. Er rief mich dann kurz darauf an und erklärte mir die Lage, dass ich zwischen 400$-700$ pro Woche, je nach Anstrengung, verdienen könne. Dass ich zudem in einem separaten Haus mit einem anderen Arbeiter (Billy) wohne und ich nichts für diese Unterkunft zu bezahlen hätte. Meine eigentlich geplante Position hätte hauptsächlich nur mit den Pferden zu tun gehabt und ab und zu Nebenaufgaben, die man auf einer Farm so hat. Also hätte ich eigentlich die Polo Ponys und später auch andere Großpferde auf die kommende Polosaison vorbereitet und die Springpferde für die kommenden Turniere trainiert und fit gemacht. Dass Jim so penibel ist und jemanden erwartet hatte, der unglaubliche Reiterfahrungen hat und ich ihm somit zu schlecht bin, hatte ich nicht erwartet (hat er am Telefon aber auch nicht erwähnt). Natürlich kann jemand, der schon sein Leben lang reitet, beurteilen wie es um die Reiterfahrungen steht, wenn man gerade mal eine Minute auf dem Pferd sitzt und sich versucht auf einem fremden Pferd, einer völlig neuen Rasse erstmal "einzusitzen". Im ersten Moment war ich erstmal traurig und wusste nicht so recht was er mir jetzt sagen möchte. Ich wusste ich bin nicht der beste Reiter Deutschlands, aber nach seinen Aussagen habe ich mich richtig sch**** gefühlt!

Nachdem mir dann erklärt wurde ich sei nicht gut genug und ich solle die Pferde nicht "ruinieren", wusste ich nicht was ich dann überhaupt noch auf der Farm soll, da dies ja meine Hauptaufgabe war. Wenn ich Jim gefragt habe, was ich als nächstes machen soll hieß es immer "putzen", "putzen", "putzen". Ich weiß auch auf einer Farm muss man mal putzen, ich habe auch kein Problem damit den Besen zu schwingen, wenn ich aber ausgenutzt werde um ALLES zu putzen, fühle ich mich ein wenig Fehl am Platz. Nach dieser Woche hatte ich dann einen Bruchteil des Arbeiterhauses, das Managerhaus neben unserem Haus und Jims Haus BLITZBLANK geputzt. Dass dies eine Zumutung war muss ich eigentlich nicht erwähnen nachdem ich sagte wie schäbig unser Haus zu Beginn aussah. Toiletten vollkommen zugemüllt, zugesch*****, voller Joint Reste, Flüssigkeiten bei denen ich mir nicht mal sicher bin was ich da angefasst habe und ein Haufen Ungeziefer. Handschuhe oder ordentliches Putzmittel kennt diese Farm offensichtlich auch nicht.

https://youtu.be/hm3qNA9T4JU
Was ich alles in diesem Wandschrank in der Küche gefunden habe und in was für einem Zustand... ich erspare es lieber jedem!

Einen Arbeitsvertrag hatte ich keinen, nach meinen persönlichen Kontaktinformationen hat mich Jim nie gefragt (um mich anzumelden etc.), ich habe nichts unterzeichnet, war demnach auch weder versichert noch offiziell angestellt und samstags hätte ich auch arbeiten sollen (womit ich normalerweise definitiv kein Problem habe!). Billy hatte auch keinen Arbeitsvertrag, weswegen ich dachte es wird schon alles gesetzlich richtig ablaufen. Einen festen Stundenlohn wollte er mir nach zweimal nachfragen auch nicht nennen, er äußerte nur erneut er bezahle mich nach Aufwand. Freitags erklärte er mir dann er bezahle mir für diese Woche 500$, hat aber wieder nicht nach meinen Kontaktinformationen gefragt. Hätte ich samstags auch noch gearbeitet, wäre ich auf knapp über 50 Stunden gekommen, wofür er mir nach seiner Aussage nach wie vor nur 500$ bezahlen würde. 500$ klingen eigentlich sehr gut, aber davon werden ja auch nochmal 15% Backpacker Steuer abgezogen, wovon am Ende nicht mehr viel bleibt für über 50 Stunden Arbeit. Zudem musst du nach den Regelungen der Immigrationsbehörde mindestens mit dem Mindestlohn bezahlt werden, ansonsten gelten deine unterbezahlten Arbeitstage nicht für das nächste Visum. Nach Nachfrage zu dieser Summe erklärte er mir, ich sei nicht gut genug als Farmhand und mehr wolle er mir nicht bezahlen, da ich es eben einfach nicht wert sei. Ob ich eine gute Farmhand darstelle oder nicht, kann er natürlich bewerten nachdem ich die ganze Woche eigentlich fast nur geputzt habe und er mir kaum Aufgaben zutrauen wollte geschweige denn etwas erklären und zeigen wollte, was tatsächlich mit Farmarbeit zu tun hat. Nach Diskussion mit Jim und Absprache mit Brad, der Freitagabend kam um mich über das Wochenende zu besuchen, habe ich beschlossen, dass ich noch am selben Tag die Farm verlasse.

Das Ende und Fazit dieser Erfahrung auf der Farm Beverley ist ziemlich frustrierend. Nachdem ich mit Jim diskutierte und die Farm verließ, hatte er über Textnachrichten versucht sich aus der Affäre zu ziehen, da er davon ausging mit komplizierten Umschreibungen und widersprüchlichen Aussagen könnte er mich überlisten und ich würde aufgeben. Da Brads Mutter mir geholfen hatte, waren wir im Vorteil, da er sich eben in widersprüchlichen Aussagen verhangen hatte. Letztendlich hatte er mir kommentarlos 425$ für meine 43,5 Stunden Arbeit überwiesen, weder einen Payslip dazu gesendet, noch das Formular ausgefüllt, welches ich ihm zuvor zukommen ließ (wäre wichtig für mein Visum gewesen). Letztendlich habe ich eine Woche "verschwendet", um weit unter dem Mindestlohn von 19,49$ bezahlt zu werden und nicht einmal einen Nachweis für meine 88 Tage für das nächste Visum zu erhalten - wenigstens war es nur eine Woche und ich weiß es besser für die nächste Farm, auch wenn ich jetzt etwas Angst habe wieder in so eine Situation zu geraten.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich einige Konversationen mit Lynn über ihren Flug nach Vietnam Anfang Februar hatte und ob das so eine gute Idee wäre, da Corona, Covid-19 oder wie auch immer schon ein großes Thema auf unserem Nachbar Kontinent war. Wie groß und langfristig die Sache wird, wusste ja keiner so wirklich. Das Einzige was ich weiß ist, dass es seit Wochen kein oder nur kaum Klopapier, Taschentücher, Seife, Nudeln, Soßen, Reis, Hefe, frisches Obst und Gemüse, Fleisch, etc. gibt und man im schlimmsten Fall sogar alle Supermärkte der Stadt abfahren muss, um auch nur einen Artikel der oben genannten zu ergattern. Dass das völlig krank und verrückt ist, wird wahrscheinlich nicht nur mir aufgefallen sein. Kunden fingen an Einzelhändler anzuschreien, anzuspucken, mit Konservendosen zu bewerfen oder anderen Kunden Artikel aus dem Einkaufswagen zu stehlen. Ich muss natürlich noch dazu erwähnen, dass diese Situationen alle unter anderem in Tamworth stattgefunden haben, wie es in den anderen Städten drum herum aussieht weiß ich leider nicht, sitze ja in Isolation...

Jedenfalls finde ich das alles ziemlich verrückt und frage mich was in den Köpfen der Hamster- oder Panikkäufer so vor sich geht. Ich hatte ein paar mal Flashbacks zurück in alte "Weltuntergangs" Filme, die ich in den letzten Jahren gesehen habe - unsere aktuelle Situation ist manchmal zum Verwechseln ähnlich!

Interessant finde ich auch zu sehen wie viele egoistische oder einfach nur infantile Menschen unter unserer Gesellschaft weilen. Ist es so schwer sich an die Sicherheitsmaßnahmen und -regelungen der Regierung zu halten oder muss jetzt plötzlich jeder den Rebell der Nation spielen und am Rad drehen? Daraus bin ich leider noch nicht schlauer geworden, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt! Die australische Regierung handelt mit den Sicherheitsmaßnahmen meiner Ansicht nach deutlich strikter als die deutsche Regierung. Im schlimmsten Fall (für die einzelne Person) hängt dir die Polizei auf dem Highway im Nacken, möchte wissen wo du hinfährst und erteilt dir eine verdammt schmerzhafte Geldstrafe. Eventuell begleiten dich die Beamten noch mit nach Hause oder statten dir zu späterer Stunde des Tages einen Besuch zu Hause ab, um sicherzustellen, dass du deinen Weg nach Hause gefunden hast. Genau das ist Brad an einem Samstag auf dem Weg nach Hause von der Arbeit passiert. Genauso kann es dir auch passieren, dass du mit bis zu 11.000$ Strafe geahndet wirst, weil dich die Polizei in einem anderen Haushalt erwischt als deinen eigentlichen Isolationshaushalt - nur mal für den bloßen Vergleich wie unterschiedlich Deutschland und Australien eingreifen und versuchen zu handeln.

Meine eigenen Pläne haben sich somit ja erstmal in Luft aufgelöst und müssen neu geschmiedet werden. Solange aber keiner auch nur ansatzweise eine Ahnung hat wie lange sich das Virus als akute Bedrohung erweist und ab wann das "normale" Alltagsleben wieder aufgenommen werden kann, muss auch ich mich damit zufrieden geben erstmal nur Tag für Tag zu leben und nicht zu wissen, was ich die nächsten drei Monate anstellen könnte.

Wie dem auch sei sitze ich erstmal hier in Moonbi fest, langweile mich, versuche produktiv zu sein und warte bis die australische Regierung das Reiseverbot aufhebt, um endlich auf Reisen zu gehen. In diesem Sinne bleibt alle schön gesund, haltet Abstand und wascht eure Hände - und hört auf Hefe im Überfluss zu kaufen, wenn ihr sie überhaupt nicht braucht... da will man einmal den Kochlöffel schwingen und keiner hat mehr Hefe im Angebot - Danke!!! <3

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Die neu gewonnene Freiheit und darauffolgende Isolation

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'Dominion' und das vermeintlich friedliche Leben auf dem Land