Zahllose Buschfeuer und die Angst vor Evakuierung

Über einen Monat später melde ich mich dann auch mal wieder zu Wort, hat sich ja doch wieder einiges zum Erzählen angesammelt seit dem letzten Post. By the way nachträglich frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! <3

Das wichtigste Ereignis vor vier Wochen und auch nach wie vor, ist die ernste Tatsache mit den zahllosen Buschfeuern in New South Wales und drum herum. Bei uns startete vier Wochen zuvor ein relativ großes Buschfeuer in 6 km Entfernung, was eigentlich nicht sonderlich weit weg ist. Das Feuer wurde von zwei Kindern vorsätzlich in Moonbi am Highway gelegt, umzingelte die beiden und entfachte ziemlich schnell ein riesengroßes und gefährliches Feuer. Ich kann mich auch gut dran erinnern, dass es ein Dienstagmorgen war und ich alleine zuhause gewesen bin. Brads Dad hatte mich dann angerufen und gefragt, ob ich schon Flammen sehen könne, was mich nicht sonderlich beruhigt hatte... Mein alter Hostdad hatte mir zwar zu Beginn mal erklärt wie ich mich im Ernstfall eines Buschfeuers zu verhalten hätte, aber wenn die Theorie dann zur Realität wird, wird man dann doch etwas panisch und steht auf dem Schlauch was nun zu tun ist. So eine Art von Angst hatte ich zuvor noch nie verspürt und um ehrlich zu sein, wenn wir tatsächlich evakuiert worden wären, hätte ich nicht gewusst wie es dann weitergehen sollte. Zu unserem persönlichen Glück hatte der Wind jedoch in der Nacht seine Richtung gewechselt und ist an uns vorbeigezogen. Vier Wochen später ist das Buschfeuer offiziell erloschen und stellt aktuell keine Gefahr mehr dar.

Mit knappen 7000 Hektar Brandfläche war das im Durchschnitt leider ein relativ kleines Buschfeuer. Es ist unglaublich traurig wie schnell die Feuer hier entstehen, wie schnell sie sich dann ausbreiten und besonders wie viele Lebensräume und Grund und Boden für Mensch und Tier sie damit zerstören. Das Schlimmste ist aber die Tatsache, dass über 40% der Brände von Menschen, sei es vorsätzlich oder nicht, verursacht werden. Die Buschfeuer Saison hat zudem dieses Jahr im Oktober viel zu früh begonnen und war auch schon seit Jahren nicht mehr so aggressiv und intensiv wie dieses Jahr... leider hält die Saison auch noch bis März an. Der ungesunde Nebeneffekt zu den unzähligen abgebrannten Hektar Wald, ist der schädliche Rauch, der wöchentlich von den Feuern an der Küste oder hier direkt auftritt. Mit den steigenden Temperaturen weit über 40 Grad, dem fehlenden Regen und der stehenden Luft macht dies das Leben natürlich nicht angenehmer, aber man lernt damit zu leben und seine täglichen Pläne daran anzupassen (soweit dies eben spontan möglich ist, da der Rauch oftmals über Nacht unerwartet zurückkommt).

Ein paar erfreuliche Nachrichten sind jedoch, dass ich mein RSA Zertifikat am 25.11. endlich erfolgreich absolviert habe und nun auch zwei Arbeitsverträge erhalten und unterschrieben habe, was meine 6-wöchige Arbeitslosigkeit endlich unterbrochen hat. Ein Arbeitsvertrag als Casual (Aushilfe) Bedienung im Addimi in Tamworth (Café) und ein weiterer für die Country Music Festival Woche im Januar (17.1.-26.1.) bei der West Entertainment Group auch als Casual Bedienung. Diese Arbeit ist jedoch deutlich anders als im Café, da die West Entertainment Group mehrere Restaurants und Spielhallen etc. besitzt. So switche ich dann zwischen verschiedenen Restaurants, in denen ich aktuell eingelernt werde. Wenn ich diese Service Arbeiten mal so mit denen Zuhause vergleiche, sind da schon seeehr große Unterschiede, sei es in der Strenge über Einhaltung der Regeln, der Umgang mit den Gästen oder das Verhältnis zwischen Chef und Angestellten.

Da Weihnachten ja jetzt auch schon wieder halb vorüber ist, ist es natürlich auch interessant mal die Unterschiede zwischen Deutschland und Australien anzusprechen. Ganz traditionell hatte ich mir einen Adventskalender gekauft (Kinderschokolade), den ich aber vor einer Woche komplett aufgemacht habe, da mir die Schokolade davon geschmolzen ist... Ist ziemlich schlau den Adventskalender erst am 1.12. zu kaufen, gab ihn dann für die Hälfte. Am 2.12. haben wir dann auch den Weihnachtsbaum aufgestellt und angefangen weihnachtlich zu dekorieren. Am 10.12. habe ich mich bei 34 Grad dazu entschlossen Plätzchen zu backen (das erste mal alleine), dank der Hitze ist der Teig natürlich absolut ausgetrocknet, aber nachdem Brads Mum mir zu Hand ging, sind die Plätzchen doch noch was geworden - unschlagbare zwei Tage haben sie gehalten, bis ich alle aufgegessen hatte! (So erklärt sich auch wie ich in den letzten drei Monaten 6 Kg zugenommen habe! Gestern (24.12.) habe ich nochmal Plätzchen gebacken (war zum Glück kühler draußen), diesmal jedoch die vierfache Menge, was mich 4 Stunden Zeit gekostet hat... aber dafür sind sie deutlich besser geworden als letztes mal!

Ein faszinierender Unterschied ist, dass der Alkoholausschank am Weihnachtstag verboten ist. Das ist etwas ironisch für mich, da Zuhause am Weihnachtstag immer eine riesen Party in der Stadt ist und jeder anfängt für den Abend mit Cocktails und Glühwein vorzuglühen. Generell sind die Australier deutlich strenger was Alkohol angeht, öffentlicher Alkoholkonsum ist verboten, im Supermarkt kann man keinen Alkohol kaufen, das muss man in Bottleshops tun. Der Alkoholgehalt ist in jedem Getränk geringer und in ganz New South Wales gibt es in Bars nirgendwo Shots zu kaufen. Solche Verbote machen natürlich öffentliche Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte unmöglich, aaaaaber don't worry, im Dan Murphys kann man importierten Glühwein aus Deutschland kaufen (steht sogar auf deutsch drauf). Heute Abend (25.12.) zum Dinner wird die Flasche dann geköpft und genossen. Da Brads Eltern an unserem Aussie-Kiwi-German Weihnachten natürlich auch meine Traditionen bewahren wollen, durfte ich gestern Abend EIN Geschenk öffnen. Nämlich Mamas Geschenk, das pünktlich vor Weihnachten in meinem dritten Paket von Zuhause ankam! Danke Mama <3 Heute am 25.12. wird dann auch in Australien offiziell Weihnachten zelebriert und am Morgen reichlich Geschenke ausgepackt - ich bin ganz schön verwöhnt worden von Brads Familie!

Die Australier rasten an Weihnachten auch unglaublich mit ihrer Dekoration innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände aus... fast schon wie Amerikaner an Halloween oder Weihnachten selbst. Ich bin auch sehr auf den Weihnachtstag selbst gespannt, da einige Australier und auch die McGregors eine Tradition pflegen - jedes Jahr mit weihnachtlichen Hawaii Hemden feiern (hab mich natürlich brav vorbereitet und vor einem Monat auch eins gekauft!). Dieses Jahr hatten die McGregors beschlossen an Weihnachten zuhause zu bleiben und ein ruhiges Fest zu veranstalten. Mit der Überraschung, dass Vance's Eltern (Brads Dad), sein Bruder und seine Schwester und ihr Mann aus Neuseeland und Westaustralien kommen, hat natürlich keiner gerechnet. Gestern (22.12.) haben wir dann einen gemeinsamen Familienausflug mit allen unternommen, um den Neuseeländern und der Deutschen ein bisschen Sightseeing zu ermöglichen. Jetzt ist Full House mit 10 Personen angesagt, wo selbst ich, als absolute Labertasche, an meine nervlichen und gesellschaftlichen Grenzen gerate hahaha :D Anlässlich der Feiertage gab es gestern Abend Känguru zum Dinner, das ich dann auch mal probiert habe... ich muss sagen eigentlich schmeckt es gut, aber mit dem Gedanken, dass es Känguru ist, ist es einfach nur komisch :D

Am Freitagmorgen (20.12.) hat uns Sarah leider sehr früh verlassen und ist nach 15 Monaten Aufenthalt in Tamworth schweren Herzens wieder nach Hause geflogen, was mich noch eine ganze Weile sehr traurig machen wird. Unsere Touri times, Party Ausraster und Wochenendausflüge werde ich sehr vermissen. Am 20.11. hatten wir endlich mal das Wahrzeichen der Stadt Tamworth, die goldene Gitarre, besucht. Was für mich nach zwei Monaten Aufenthalt mal Zeit war! Eine Woche später waren wir dann in der Stadt shoppen und haben wie üblich laut durch den Laden auf deutsch miteinander gesprochen. Zu unserem Glück dieses mal, da uns die liebe Lynn erhört hatte und uns dann angesprochen hat. Der witzige Zufall war dann noch, dass sie im selben Dorf wie ich bei ihrer Gastfamilie wohnt (Moonbi). Sie ist jedoch kein AuPair wie alle anderen 10 Deutschen, die noch hier sind (ironischerweise ist eine davon das neue AuPair in meiner alten Gastfamilie). Ach und bevor ich das vergesse, bin ich Sarah natürlich auch sehr dankbar dafür, dass sie mir das Mango schneiden per Video Tutorial beigebracht hat! :D

Ich kann mich auch gut erinnern, dass ich mich in meinem letzten Post über das Impi ausgelassen habe, da ich es absolut scheiße empfunden habe als wir das erste mal dort waren. Nun muss ich mich wohl korrigieren, da Sarah, Lynn und ich die letzten zwei Wochenenden dort waren und es wirklich richtig bombe war! Die Musik war deutlich besser, die Leute waren viel entspannter und cooler drauf und der gesamte Abend ging einfach steil! Da Sarah jetzt leider weg ist und Lynn auch nur noch bis Februar hier ist, wird ab dann definitiv was fehlen... Da ich aber sowieso im Februar für drei Monate auf eine Farm wollte, um mein Farmwork für das second year Visa abzuschließen, werde ich von der Abwesenheit der beiden hoffentlich erstmal nicht so viel merken. Wie es danach weitergeht steht aktuell noch in den Sternen. Dann wird erstmal nur noch gearbeitet, um meine Ersparnisse für die Trips zur Westküste und dann entlang der Ostküste zu erweitern.

Zum Abschluss und um den Tag zu versüßen hier noch ein Bild von Känguru Schwänzen, die Brad geschossen hat und Weihnachtsgrüße seinerseits :D

hi my name is brad :) Im sorry I can't speak German very well. it is nice to meet you all :) have a good Christmas and a happy new year :)

Hier mal wieder ein paar Impressionen, die nicht zum Text gepasst haben!

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