Ersten stressigen Eindrücke und das Leben mit den Aussies

So wo fange ich denn heute an, seit dem letzten Post sind nämlich einige Dinge passiert. Darcy war eine Woche im Ponycamp, kam aber unerwartet früher zurück, die Mädels waren außer rand und band, ich bin ein-, zweimal auf der falschen Straßenseite gefahren und habe mich trotz Google Maps dauerhaft verfahren - links abbiegen funktioniert hier eben leider nicht so wie Zuhause. Faszinierend ist auch, dass der Highway hier genauso aussieht wie sämtliche Landstraßen, schneller als 100km/h darf man auch nirgendwo fahren - nichts ähnelt den deutschen Autobahnen. So viel mal dazu...

Darcy war vom 29.09. - 5.10. für das Ponycamp eingeplant, kam jedoch aufgrund einer Verletzung seines Ponys mittwochs wieder nach Hause, was die ganze Wochenplanung auf den Kopf gestellt hatte. Glücklicherweise hat sein Dad ihn Donnerstag morgens mit einem unserer Pferde (Bondi) zurückgebracht, musste ihn jedoch die restliche Woche durchgehend führen, was ihn dazu zwang seine Geschäftsreise abzusagen. Zu Beginn und am letzten Tag habe ich Darcy geholfen sein Pferd fertig zu machen, was mich an den Armen schon richtig gebräunt hat, leider auch nur zur Hälfte...

Olivette und Acacia haben die gesamte Woche noch dazu total auf den Kopf gestellt, da sie durchgehend am rumzicken waren und ihnen nichts recht war... aber als wäre die erste Woche der Schulferien nicht schon stressig genug gewesen, folgte eine noch ätzendere zweite Ferienwoche. In dieser Woche begannen die ersten Tage an denen ich ab und zu den gesamten Tag alleine mit den drei Kindern war und sonderlich artig waren sie leider auch nicht. Die meisten AuPairs meinten schon zuvor, dass die Kinder dich besonders in Woche zwei und drei testen und dich an deine Grenzen bringen, um zu sehen wie streng und diszipliniert du bleibst... und ja das waren wirklich Grenzen, die ich da erreicht habe. Aber ich sehe das mal optimistisch, dass die Kinder bald Respekt vor mir haben und nicht mehr mit Steinen werfen oder mir dauerhaft widersprechen. Schließlich wächst man ja auch mit seinen Aufgaben...

Nach einem langersehnten angenehmen Wochenende am Ende der Schulferien, einem Gespräch mit AIFS und einer Feedback Runde mit meinen Gasteltern, war der Stress langsam schon bewältigt und eine neue Motivation ermöglichte mir durchzuatmen und nach vorne zu sehen! Meine neue Motivation entstand aus der Mitteilung, dass meine Gasteltern + Kids von Mittwoch (16.10.) bis Sonntag (19.10.) nach Newcastle (ca. vier Autostunden von Tamworth entfernt) zum Doktor fahren und ich so lange frei habe und meine Zeit alleine genießen kann.

Besonders toll an diesem halben Farmleben sind die neuen Erlebnisse die man so macht. Ich habe zum Beispiel zuvor noch nie ein neugeborenes Kalb nach einem Tag aus direkter Nähe beobachten können, letzte Woche habe ich schon zwei gesehen - unglaublich süß! Da ich mein Motorrad schon ziemlich vermisse, macht es mich umso glücklicher, dass ich hier mit unserem Quad zu den Pferden, Kühen etc. auf die andere Seite des Hofes fahren darf. Fühlt sich dann aber doch etwas anders an, besonders weil das Quad hier keine Kupplung hat - da kommen die Gänge dann doch etwas intensiver als gewohnt. Aber für den Fall der Fälle wird es auch nicht schwer hier Motorrad oder speziell Enduro zu fahren, da es in Tamworth und Umgebung nur so von jungen Menschen wimmelt, die mit ihren Bikes regelmäßig offroad fahren. Eigentlich kann ich behaupten, dass meine Hobbys hier fast alle vertreten sind, zumindest was Motorrad fahren und reiten angeht!

https://youtu.be/JRcsoZkUWl4
Gem begleitet uns natürlich auch immer treu!

Neue Menschen oder speziell Einheimische kennenzulernen ist hier auch nicht wirklich schwer, da die Locals (habe mir sagen lassen, dass Natives nur die Aborigines sind und alle anderen so nicht gerne genannt werden) hier alle unglaublich offen, gesprächig, hilfsbereit und total witzig sind - da erkennt man einen krassen Kontrast zu Deutschland, denn hier realisiert man erst, wie spießig und verklemmt manche Zuhause tatsächlich sind - sorry für die Ehrlichkeit :D Die, die ich bis jetzt kennengelernt habe, interessiert es absolut gar nicht, was andere über sie denken oder wie verrückt sie sich in einigen Momenten aufführen - davon versuche ich mir eine große Scheibe abzuschneiden, da mir ihre entspannte und direkte Art sehr gut gefällt!

Witzig ist, wie fasziniert hier alle von den Deutschen sind, von unseren unterschiedlichen Sitten, von unseren alltäglichen Ausdrücken und besonders von unserem Akzent, wenn wir Englisch sprechen (den ich persönlich schrecklich finde). Ich habe mich jetzt dazu entschlossen, um die eigenen Sprachkenntnisse zu optimieren, die Spracheinstellung auf meinem Handy auf Englisch umzustellen und englische Bücher zu lesen. Und für die beste Anpassung an das australische Leben habe ich eine Liste angefangen mit jeglichem Slang der Australier, die nach zwei Tagen schon lang war.

Um das Wetter natürlich auch nicht außer acht zu lassen bekommt es auch ein paar Worte. Aktuell haben wir im Oktober hier noch Frühling bis circa Ende November. Tamworth ist eine ziemlich trockene Stadt und sonderlich viel grün sieht man hier eigentlich kaum, aber besonders die letzten Monate waren wirklich trocken. Der letzte richtige Regen fiel vor mehr als neun Monaten, was die Schauer letzten Freitag und Samstag umso wertvoller machte. Da es so trocken ist und auch keine hohe Luftfeuchtigkeit besteht (zu meinem Glück, so schwitzt man weniger) sind regelmäßige Buschfeuer und Wassernotstände leider auch keine Seltenheit. Als es letzte Woche dann so heiß war (35 Grad im Frühling), nutzte mein Gastvater die Gelegenheit um mich für den Fall eines Buschfeuers zu unterweisen - hat mir nochmal mehr die Augen geöffnet, wie ernst ein Buschfeuer hier werden kann. Man hält es zwar schon für normal, da man oft im Garten Buschfeuer aus der Ferne erkennen kann, trotzdem ist es lebensgefährlich.

https://youtu.be/CmC7lmzjOqk

Um zum Abschluss mal wieder auf die lieben Tiere zurückzukommen, kommen jetzt mal noch ein bis zwei "unschöne" Erlebnisse. Ich habe zahlreiche Kängurus in unserem Garten und dem des einzigen Nachbarn im Umkreis gesehen, leider gehört es eben auch dazu, dass man oft tote Kängurus am Straßenrand sieht, da sie auf der Straße im Vergleich zu Rehen langsamer vor Autos flüchten. Zudem ist Känguru schießen hier sehr beliebt, da die Australier die Kängurus eher als große Plage sehen... Was eher selten vorkommt, sind Rehe und Hirsche und Echidnas (eine Art Ameisenbär, sieht aber aus wie ein großer Igel). Die erste größere Spinne habe ich auch gesichtet, aber war jetzt nicht wirklich groß, also kein Grund zur Panik! Ein Local hier hat mir seine Wachtelzucht bzw. Quailzucht gezeigt, im ersten Moment war das wirklich süß mit den ganz kleinen, frisch geschlüpften Wachteln, aber auch nur so lange bis er meinte, dass sie dann als Lebensmittel verkauft werden.

https://youtu.be/EeNBn6pgUpg

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Erster Roadtrip und mein Wunsch nach Auswanderung

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Die ersten Tage bei der Familie