Harvest Time in Hillston🌾
Am 19.10. bin ich abends die eine Stunde von Narrabri zurück nach Mullaley zu Greg und Judy gefahren. Am nächsten Morgen sind wir zusammen nach Gunnedah gefahren für die zweite Pfizer Impfung, die mich ordentlich vom Hocker gehauen hat. Nach einem Tag auskurieren habe ich mich auf meinen Weg nach Hillston begeben, dieser umfasste knappe 600km und etwa 7 Autostunden. Ich hatte einen Übernacht-Stopp in Dubbo eingelegt, um noch ein paar Besorgungen zu machen. Am 23.10. bin ich nachmittags offiziell in Hillston angekommen.
‘Utes in the Paddock’ in Condobolin, NSW entlang des Lachlan Trails
Bundy Rum Ute
Am 25.10. ging es dann auch schon direkt los mit der Arbeit für Greenwich AG in Hillston, NSW, Warren, NSW und ab Februar 2022 dann auch in Tasmanien. Der Plan war, dass ich einen der acht Header (Erntemaschine) fahren würde, um Weizen, Gerste und Pyrethrum (was aus Gänseblümchen entzogen wird) zu ernten.
Die erste Woche haben wir alle erstmal nur um den Workshop drumrum gearbeitet, da die Crop noch nicht bereit war, geerntet zu werden. Das bedeutete viele Pub Besuche und viel Zeit alle Doggos zu knuddeln.
Die darauffolgenden drei Wochen wurde ich dann ab dem 29.10. als Einzige aus der 13-köpfigen Crew auf eine Knoblauch Farm geschickt, um dem Nachbarn und seinem Boss einen Gefallen zu tun und in der Not auszuhelfen. Das war am Ende eigentlich eine ziemlich coole Erfahrung, zudem habe ich hier meinen guten Freund Lachlan kennengelernt. Außerdem war es auch eine Erfahrung wert selbst zu erleben, wie reiche Familien mit selbsternannten Privilegien ihre Unternehmen führen und wie ihre Arbeiter dazu stehen und behandelt werden.
Ich bin den Garlic Chaser Trailer gefahren, also den Traktor mit dem Anhänger hinten dran, der die Knoblauchzehen auffängt. Der Sohn des Besitzers ist eine der Erntemaschinen gefahren und war auch sehr davon überzeugt, dass er der Beste sei (das spiegelt so die Einstellung der ganzen Familie wider).
Wenn man das erste Mal an einer Knoblauch Farm vorbeifährt oder dort arbeitet, überwältigt einen der Geruch die erste Zeit sehr stark. Nach ein paar Tagen riecht man es überhaupt nicht mehr hahah, andere dafür umso mehr - eben genau wie wenn man Knoblauch isst.
Am 18.11. bin ich dann zu meiner Crew zurückgekehrt und wurde mit der Grain Chaser Bin (Überladewagen) bekanntgemacht und eingearbeitet. Meine Tonne umfasste ein Gesamtvolumen von 18 Tonnen, was einem relativ kleinen Überladewagen entsprach.
Der Ernteablauf ist folgender:
Die Erntemaschine hat ein langes Gerät vor sich, um den Pflanzenkopf vom Stil sozusagen abzuschneiden. Der Stil und seine Reste werden am Ende aus dem hinteren Ende des Headers ausgespuckt. Der Kopf der Pflanze mit den Samen drin, wird dann im Inneren des Headers behandelt und befindet sich dann in einem großen Auffangbecken auf dem Dach hinter der Fahrerkabine. Dieses Auffangbecken oder Grain Tank genannt, umfasst im Durchschnitt ungefähr zwischen 8 und 10 Tonnen pro Header. Wenn dieser nun voll mit Weizensamen ist, wartet der Header Fahrer auf eine Chaser Bin, fährt den Auger zu seiner Linken aus und transferiert sein Grain über in die Chaser Bin, die neben ihm herfährt während er weiterhin effizient Grain erntet.
Die gefahrene Geschwindigkeit hängt stark von Qualität und Feuchtigkeit der Crop ab. Sobald die Chaser Bin geleert werden soll, begibt sich diese zu einem Truck und leert mithilfe des Augers an der Bin direkt in den Truck. Alternativ kann die Bin auch in eine Field / Mother Bin oder in eine riesengroße, lange weiße Bag geleert werden.
Aus Gründen die mir bis heute unbekannt sind, ist es leider nie dazu gekommen überhaupt erst eine kurze Chance zu haben, mich auf dem Header zu beweisen.
Am 09.12. habe ich diesen Job dann glücklicherweise frühzeitig verlassen. Auch wie zuvor erwähnt, direkte Gründe wurden mir leider keine genannt, lediglich es sei nicht genug Arbeit vorhanden was schlichtweg eine offensichtliche Lüge war. In meiner eigenen Theorie gehe ich von persönlichen Indifferenzen aus, die sich mein Boss auf nicht professionelle Art und Weise hat zu nahe kommen lassen. Ich habe mich nicht sonderlich wohl, geschätzt noch fair behandelt gefühlt, von daher war ich erleichtert als mir sozusagen gekündigt wurde. Ich habe mich von den Jungs in der Crew auch teilweise nicht akzeptiert und eingebunden gefühlt, was mir zudem ein schlechtes Gefühl gegeben hat. Planmäßig hätte ich eigentlich mit dieser Crew im Februar meinen Weg nach Tasmanien einschlagen sollen.
Ich habe dann noch das darauffolgende Wochenende in Hillston mit Freunden verbracht und Daves Haus geputzt. Am 11.12. habe ich mich dann abends zurück auf den Weg nach Moree gemacht für einen neuen Job, den ich schon im Hinterkopf hatte.