Nachwuchs Cottonfarmerin mit großen Zukunftsplänen👩🏼🌾
Wie zuvor erwähnt befinde ich mich nun seit Anfang Februar auf einer gemischten Broadacre und Irrigation Farm mit Baumwolle als irrigated (bewässert) crop und Wheat und Chickpeas als Dryland crop auf 'Cambooya' in Boomi, NSW - direkt an der Staatsgrenze zu Queensland (eine sogenannte Border Town). Hiermit arbeite ich auch an meinen sechs Monaten Farmwork, die ich für mein drittes und letztes Working Holiday Visa brauche. Ab September 2022 werde ich mich dann nach neuen Visa Möglichkeiten umschauen müssen.
Kommen wir nun zu meinen großen Zukunftsplänen oder wie ich es lieber nenne: große Idealvorstellungen meiner Zukunft, da Pläne in Zeiten von Corona einfach schlicht weg unmöglich sind! Wie dem auch sei habe ich vor ein paar Monaten beschlossen, nachdem ich meine Passion hier als Cropfarmerin entdeckt habe, dass ich gerne Bachelor of Agriculture als double degree mit Bachelor of Business an der UNE in Armidale, NSW studieren möchte. Das sind sehr große und sehr geldlastige Pläne, weswegen ich erstmal sehen muss, wie sich das ganze bewältigen lässt!
Der Bachelor Abschluss wäre der erste Schritt, um der geplanten australischen Staatsbürgerschaft näher zu kommen! Nach dem Bachelor Abschluss folgt dann ein Praxisjahr, in dem gelerntes praktisch angewendet wird. Anschließend folgt ein Sponsorship Vertrag mit einer gewählten regionalen Organisation/Farm für (abhängig vom jeweiligen Visum) 2-5 Jahre. Danach sollte ich dann in der Lage sein PR (permanent residence) beantragen zu können. Auf dem PR Visum muss ich dann mindestens vier Jahre bleiben, um dann endlich die Staatsbürgerschaft beantragen zu können. All diese Angaben sind sehr wage und ohne Gewähr, da die Recherche mir jedes mal neue Fragezeichen in meiner Gedankenwelt einnistet. Eine Sache, die ich jetzt schon unglaublich oft bemerkt habe: Wenn du in Australien (und wahrscheinlich in jedem anderen Land auch) eingebürgert werden möchtest, dann musst du das alles auf eigene Faust unternehmen und brauchst keine staatliche Hilfe zu erwarten!
Das Government hilft dir in keiner Art und Weise, beantwortet dir per Telefon keinerlei Fragen und auf den offiziellen Websites verwirren Sie dich nur mit kompliziertem Rechtsenglisch. Sie füttern dich mit mehr und mehr Informationen, die dich am Ende so verwirren und zur Weißglut bringen, dass du eigentlich gerne aufgeben möchtest. Aber das werde ich nicht! Und wer weiß, eventuell in den nächsten 10+ Jahren werde ich dann endlich australischer Staatsbürger sein!🇦🇺
Aber jetzt kommen wir zum eigentlichen Mittelpunkt des heutigen Blogbeitrags: mein Leben auf 'Cambooya'🌾
Die Farm wird von meinem Boss Barry (und Hund Rebel) gemanaged und Avi ist so der Hauptkollege, da er Barrys Nachfolger sein wird, wenn er in ein paar Jahren in Ruhestand gehen wird! Avis Frau Eden ist eine sehr gute Freundin geworden <3 Alle drei sind mir über die letzten sechs Monate auch sehr ans Herz gewachsen, weswegen ich schon ein wenig traurig bin in fünf Wochen von hier zu gehen. Aber ich weiß ich kann jederzeit wiederkommen und habe tolle Erinnerungen, die ich von hier mitnehmen kann!

























Meine Aufgaben variieren hier sehr, sehr stark haha! In den ersten Wochen bevor die erste Flut kam, war ich so gut wie jeden Tag im Traktor unterwegs, mit dem sogenannten Averager und habe in den nicht-bepflanzten Feldern "geploughed" (gepflügt), um den Grund aufzulockern und Unkraut bzw. Volunteer Cotton rauszureißen! Volunteer Cotton sind Überreste, die nach dem Pflücken zurückgeblieben sind und einfach wieder nachgewachsen sind, ohne dass der Farmer dem Wachstum nachgeholfen hat. Neben dem Averager hatte ich meine Pfoten auch am Drag Bucket, um Straßen nach dem Starkregen zu reparieren und tiefe Auswaschungen wieder mit Erde zu befallen.
Mit dem Chisel Plough habe ich die Dryland Paddocks (die Felder, die nicht bewässert werden - Bewässerung erfolgt nur natürlich durch Regenfall) gepflückt und das Unkraut beseitigt. Während wir Cotton gepflückt haben, durfte ich tatsächlich auch den großen John Deere Cotton Picker bedienen und fahren! Meine Hauptaufgabe in der Pflück Season war es zu mulchen, also nach dem Cotton Picker und dem Bale Grab die Cotton Stalks (die langen Stiele bzw. Überreste) runter zu "hacken" und das Feld mit den abgehackten Überresten zu bedecken. Nachdem uns der amerikanische Paul verließ musste ich dann den Rest der Cotton Ballen, die der Cotton Picker ausspuckt, mit dem Bale Grab einsammeln, um dann hinterher mit dem Mulcher durchzugehen und mit dem Root Cutter die Cotton Wurzeln zu zerschneiden. Dieser Prozess verhindert ein unerwünschtes Nachwachsen und erleichtert die Neubepflanzung des Feldes in der nächsten season!
Während der Cotton Pflück season hat es stark geregnet, wodurch alles ziemlich holprig abging. Da wir nur 127 Hektar Cotton in zwei Feldern angepflanzt hatten, waren wir zum Glück nach vier Tagen wieder fertig. Aber wie es eben so ist, hatten wir mit sämtlichen Maschinen Probleme, was alles zeitlich immer sehr verzögert hat!




































Wenn es geregnet hat (was sehr oft passierte), waren wir für mehrere Tage nur im Workshop und haben alle möglichen Aufgaben verrichtet. Maschinen repariert, Inspektionen nachgeholt, Implements auseinandergenommen, gestrichen und wieder zusammengebaut.











Während meiner Zeit hier auf 'Cambooya' habe ich ein paar tolle, aber auch schwierige Menschen kennengelernt, die mir einige neue Perspektiven gezeigt haben, wie die Welt und das heutige Leben auch betrachtet werden kann. 'Cambooya' hielt sehr viele Höhen und auch unglaublich viele Tiefen für mich bereit. Rückblickend stelle ich fest, dass die letzten sechs Monate einige Lektionen bereit hielten, die ich in diesem Umfang und dieser Intensität noch nie erlebt habe. Ich habe noch nie so intensiv über mein eigenes Verhalten, meine Person und meine mentale Stabilität nachgedacht und im Endeffekt dann auch angefangen daran zu arbeiten. Es hat ein paar viele Tränen, Herzschmerz und viele depressive Momente gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich und nur ich allein dafür verantwortlich bin mein eigenes Glück und meine Zufriedenheit im Leben zu finden. Ich habe mir selbst zu lange eingeredet, ich brauche jemanden in meinem Leben, um glücklich zu sein und Lebensfreude zu verspüren. Im Endeffekt ist nichts im Leben permanent, alles verändert sich konstant und nur du allein lebst dein Leben und fühlst jedes Gefühl und jede einzelne Emotion, sei es eine gute oder schlechte. Niemand kann dir diese Last oder eben auch diesen Segen abnehmen!
Mein Ratschlag an dieser Stelle ist, Meditation und Atemübungen bewegen sehr viel mehr als die Meisten denken!









































Ich bin dankbar für meine astrologischen Erkenntnisse und Lehrstunden mit Fernanda (Mullaley Pub), die spirituellen Wahrnehmungen und Erklärungen mit Hugo oder auch die vielen, intensiven Gespräche mit Michaela, Meg, Sophie und Kate über mentale Stabilität und wie wichtig es ist, sich viel mehr damit zu beschäftigen. Dankbar für die Ermutigungen, schwere und ungewohnte Schritte zu gehen, spezielle Situationen oder Momente loszulassen und sich intellektuell weiter zu bilden. Wie Mama immer so schön sagt: "erweitere deinen Horizont Kind, du wirst die Dinge, die du nicht getan hast mehr bereuen, als die Dinge, die du letztendlich getan hast. Und besonders dein intellektuelles Gut kann dir keiner nehmen!"
Es gibt einige Menschen Zuhause, die sich nach wie vor fragen warum ich diesen Weg eingeschlagen habe und auf Farmen arbeite oder eben abseits lebe und diese Art von Lifestyle pflege und nicht den typischen Weg, wie viele andere Backpacker, die die Küste entlang reisen und das "klassische Backpacker Leben leben". Zum einen war mir normal, so wie es "so viele andere" auch machen schon immer zu langweilig, aber dies tut ja nun auch nichts zur Sache! Viel wichtiger und somit auch die eigentliche Message, die ich hier auszudrücken versuche, bin ich unbeschreiblich dankbar für die Lektionen und Weisheiten, die ich gelernt habe und noch weiter lernen werde. Die Reise meiner eigenen Person auf diese Art und Weise zu erleben und ich nicht aufhören werde mehr über mich selbst zu lernen. (witziger fun fact dazu: als ich Deutschland verließ hatte ich noch über Menschen gelacht, die sagten sie sind auf der Reise zu sich selbst und wollen mehr über sich selbst lernen...)























Alles in allem habe ich in den vergangenen sechs Monaten unglaublich viele, neue Dinge gelernt, sei es zu meiner Person oder im Arbeitsalltag. Ich bin sehr gespannt wo mich mein Lebensweg nach diesem Ort hinführt und kann es kaum abwarten endlich einen Roadtrip zu machen und mehr von diesem atemberaubenden Land zu entdecken!🌻☀️
Hier nun noch ein paar Video Einblicke in meine Arbeitswelt: